Henriette Dorothee Charlotte Busch: Das bewegte Leben der Mutter von Wilhelm Busch

Henriette Dorothee Charlotte Busch (geb. Kleine) war weit mehr als nur die Mutter eines berühmten Sohnes. Ihr Leben in Wiedensahl war geprägt von tiefen persönlichen Verlusten, aber auch von einem bewundernswerten Lebenswillen und praktischem Geschäftssinn.

Herkunft und die prägende Zeit in Wiedensahl

Henriette Busch wurde am 2. April 1803 in Wiedensahl als Tochter des dortigen Wundarztes Georg Kleine geboren. Sie wuchs in einem Umfeld auf, das einerseits durch die medizinische Tätigkeit ihres Vaters und andererseits durch die ländliche Struktur des Dorfes geprägt war. Diese Wurzeln blieben zeitlebens bestimmend für sie, da sie fast ihr gesamtes Leben in ihrem Geburtsort verbrachte.

Schicksalsschläge: Die erste Ehe mit Friedrich Wilhelm Stümbke

Die frühen Erwachsenenjahre von Henriette waren von Tragödien überschattet. Im Jahr 1822 heiratete sie den Wundarzt Friedrich Wilhelm Stümbke (1797–1829). Das Familienglück währte jedoch nicht lange: Innerhalb weniger Jahre verlor sie durch eine schwere Lungenkrankheit nicht nur ihren Ehemann, der 1829 im Alter von nur 32 Jahren verstarb, sondern auch ihre drei gemeinsamen Kinder. Bereits 1825 und 1827 starben zwei Töchter im Säuglingsalter, und im Winter 1828 erlag ihr acht Monate alter Sohn der Krankheit. Mit nur 26 Jahren stand Henriette vor den Trümmern ihrer ersten Existenz.

Unternehmerischer Neubeginn und zweite Heirat

Anstatt zu verzweifeln, bewies Henriette Busch große Tatkraft. Gemeinsam mit ihrer verwitweten Mutter, Dorothee Amalie Kleine (1771–1847), sicherte sie den gemeinsamen Lebensunterhalt durch das Betreiben eines kleinen Kramladens in Wiedensahl. Dieser geschäftliche Hintergrund legte den Grundstein für die spätere Existenz der Familie Busch als Kaufleute. Am 19. Mai 1831 heiratete sie Johann Friedrich Wilhelm Busch. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen der Erstgeborene, Wilhelm Busch, Weltruhm erlangen sollte. Bis auf die Tochter Anna (1843–1845) erreichten alle Kinder das Erwachsenenalter.

Das Verhältnis zu ihrem Sohn Wilhelm

Oft wird die Episode thematisiert, in der Henriette ihren Sohn Wilhelm nach zwei Jahren Trennung – er war zur Ausbildung bei seinem Onkel Georg Kleine in Ebergötzen – auf der Dorfstraße in Wiedensahl nicht sofort erkannte. Historisch betrachtet ist dies jedoch kein Beleg für mangelnde Mutterliebe. Wilhelm Busch selbst beschrieb seine Mutter stets mit Respekt und Zuneigung. Dass sie den neunjährigen Wilhelm 1841 in die Obhut ihres Bruders gab, war keine Entscheidung der Gleichgültigkeit, sondern der Wunsch, ihm eine fundierte Bildung zu ermöglichen, die über die Möglichkeiten der Dorfschule hinausging. Henriette Dorothee Charlotte Busch verstarb am 16. Januar 1870 in Wiedensahl.

Zusammenfassung

  • Herkunft: Geboren 1803 in Wiedensahl als Tochter des Wundarztes Georg Kleine.

  • Erste Ehe: Heirat 1822 mit Friedrich Wilhelm Stümbke; tragischer Verlust des Mannes und dreier Kinder bis 1829.

  • Existenzsicherung: Betrieb eines Kramladens zusammen mit ihrer Mutter.

  • Zweite Ehe: 1831 Heirat mit Johann Friedrich Wilhelm Busch; sieben Kinder (darunter Wilhelm Busch).

  • Charakter: Galt als fleißig, still und geschäftstüchtig; ermöglichte Wilhelm durch die Verschickung nach Ebergötzen eine höhere Bildung.

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